Die Klimaschutzwelle. Schulterblick-Radfahrkurse für Schulklassen.

Logo Schulterblick-Radfahrkurse für Schulklassen bereiten SchülerInnen der 4. und 5. Schulstufe gezielt auf das begleitete Radfahren im Stadtverkehr vor. Die zentralen Themen sind ein gutes Miteinander im Stadtverkehr und die Bedeutung des Radfahrens für die persönliche, lokale und globale Lebensqualität.

Darstellung

Das Mobilitätsverhalten in Städten ist einer der entscheidenden Faktoren für die Bewältigung der Aufgabe Klimaschutz. Der Verein Schulterblick – Die Wiener Radfahrschule hat ab 2011 ein innovatives Verkehrserziehungs- und Mobilitätsmanagmentprogramm (das Schulterblick-Konzept) entwickelt, wie Radfahrkurse für Schulklassen in der (Groß-)Stadt organisiert werden, damit 1. den SchülerInnen ein erfolgreicher Einstieg in das Radfahren im Stadtverkehr geboten wird. Nach vorbereitenden Übungen im Schonraum, in denen fahrtechnische, kommunikative und kooperative Fähigkeiten vermittelt werden, fahren die SchülerInnen in Kleingruppen mit jeweils zwei Begleitpersonen etwa eine Stunde im Stadtverkehr, vorwiegend auf der Ringstraße. Für viele Kinder ist es das erste Mal, dass sie mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs sind. Dementsprechend einprägsam sind die ersten Radfahrerlebnisse im Rahmen der Schulterblick-Radfahrkurse. 2. die SchülerInnen ein Verständnis von einem Miteinander im Stadtverkehr entwickeln und Fähigkeiten, dieses Verständnis beim Radfahren umzusetzen. Ein gutes Miteinander im Stadtverkehr erhöht nicht nur die Sicherheit der VerkehrsteilnehmerInnen, sondern bildet auch die Basis dafür, dass der Umstieg auf kinderfreundliche Mobilität gelingt. Daher steht die Vermittlung eines Miteinanders im Verkehr im Mittelpunkt des Schulterblick-Konzepts, mit dem Ziel, dass die Kinder die zahlreichen Interaktionen im Stadtverkehr so gestalten können, dass sie von allen Beteiligten als sicher und angenehm wahrgenommen werden. 3. die SchülerInnen verstehen, wie sehr der Umstieg auf das Fahrrad die persönliche, lokale und globale Lebensqualität verbessert. Im Theorieteil entwickeln die SchülerInnen in Kleingruppen eigenständig Ideen zu der Frage, warum immer mehr Leute in der Stadt mit dem Fahrrad unterwegs sind. Nach der Gestaltung eines Plakats zu diesem Thema werden die Ideen der Gruppen gemeinsam besprochen und in Hinblick auf die persönliche, lokale und globale Lebensqualität zusammengefasst. 4. sie die Basis bilden, die Themen kinderfreundliche Mobilität, ein besseres Miteinander im Stadtverkehr und Klimaschutz stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Schulterblick-Radfahrkurse für Schulklassen finden im Stadtzentrum von Wien statt. Der dichte Stadtverkehr eignet sich hervorragend, um den Kindern jene Fähigkeiten zu vermitteln, auf die es beim Radfahren in der Stadt ankommt. Zugleich bilden die Kompetenz und die Begeisterung der Kinder, die deutlich wahrnehmbar auf der Ringstraße unterwegs sind, die überzeugendsten Argumente für den Umstieg auf kinderfreundliche Mobilität. Mit der begleitenden Öffentlichkeitsarbeit gilt es in erster Linie Eltern davon zu überzeugen, dass das Mobilitätsverhalten entscheidend für das Wohl ihrer Kinder, heute und in Zukunft, ist. Mit dem Projekt werden zusätzlich folgende Ziele verfolgt: - Aufbau von langfristigen Partnerschaften mit Schulen, um das Thema kinder- und umweltfreundliche Mobilität stärker in den Schulen zu verankern - Einführung und Entwicklung alternativer Methoden in der Verkehrserziehung und im Mobilitätsmanagement für Kinder - Positionierung von Radfahrausbildungsangeboten als wesentlichen Beitrag beim Umstieg auf nachhaltige, urbane Mobilität

KooperationspartnerInnen

Das Ansuchen um Förderungen erfolgt zurzeit noch jährlich. KooperationspartnerInnen 2015: - Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft - Stadt Wien / Mobilitätsagentur - 3. Wiener Gemeindebezirk - Raiffeisen Capital Management - Stadtgartenamt Wien KooperationspartnerInnen 2016: - Stadt Wien / Mobilitätsagentur - Stadtgartenamt Wien

Schwierigkeiten und Erfolge bei der Umsetzung

Schwierigkeiten: Das momentane Fehlen langfristiger KooperationspartnerInnen erschwert eine kontinuierliche Umsetzung und Zusammenarbeit mit den Schulen. Erfolge: - Das positive Feedback der SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern führte infolge von Mundpropaganda innerhalb der Schulen zu weiteren Anmeldungen von Parallelklassen. - Große Aufmerksamkeit und positive Rückmeldungen von PassantInnen während der Kurstätigkeit - Diverse Medienberichte und Auszeichnungen (AQUILA 2016, VCÖ-Mobilitätspreis Wien) Unerwartete Möglichkeiten: - Präsentation des Schulterblick-Konzepts im BMVIT / Unterausschuss Radverkehr - Präsentation des Schulterblick-Konzepts im Rahmen der internationalen Cosmo Bike Mobility Conference in Verona

Ergebnisse / Produkte

Nach einer Pilotphase mit zehn Schulklassen im Jahr 2012 konnten im Zeitraum von Mai bis Oktober 2015 bereits 26 Kurse mit Schulklassen durchgeführt werden. Rund 600 Schülerinnen und Schüler wurden gezielt auf das begleitete Radfahren im Stadtverkehr vorbereitet. Zusammengearbeitet wurde dabei mit 14 unterschiedlichen Schulen aus acht Wiener Gemeindebezirken. Unter den SchülerInnen waren 24 Kinder, die das Radfahren erst gelernt bzw. wieder aufgefrischt haben. Darüber hinaus konnten rund 75 Begleitpersonen erreicht werden Im Jahr 2016 konnte das Projekt fortgesetzt werden, wobei 16 Schulterblick-Radfahrkurse im Auftrag der Mobilitätsagentur Wien und ein Kurs im Auftrag der Stadtgemeine Purkersdorf durchgeführt werden. Bis Ende des Jahres ist damit zu rechnen, dass im Jahr 2016 rund 400 SchülerInnen an den Schulterblick-Radfahrkursen teilgenommen haben werden.

Öffentlichkeitsarbeit

Über den Verlauf des Projektes wird auf der Website www.schulterblick.at und auf der Facebook-Seite des Vereins berichtet. Pressemitteilungen und Mails informieren die Medien gezielt über das Projekt. Es gab bereits mehrere Berichte in Print- und Online Medien sowie im TV und Radio: Berichterstattung in Rundfunk (Beiträge in ORF KONKRET, ORF WIEN heute, Radio Wien), Printmedien (Artikel in der KRONEN Zeitung: „Klimaschutz auf zwei Rädern“, derStandard.at-Ansichtssache) und sozialen Medien Darüber hinaus dokumentieren die Schulen die Teilnahme an den Schulterblick-Radfahrkursen zum Teil auf den schuleigenen Websiten. Parallel dazu verfolgt der Verein das Ziel das Projekt bei nationalen und internationalen Ausschreibungen/Konferenzen einzureichen und vorzustellen. So wurden die Schulterblick-Radfahrkurse 2016 gemeinsam mit dem BRG Geblergasse mit dem 2. Platz in der Kategorie "Höhere Schule / NMS" beim österreichischen Verkehrssicherheitspreis AQUILA 2016 durch das Kuratorium für Verkehrssicherheit prämiert. Beim Mobilitätspreis Wien 2016 wurden die Schulterblick-Radfahrkurse für Schulklassen unter über 100 Einreichungen im September 2016 als Siegerprojekt ausgewählt. Das Schulterblick-Konzept wurde im Rahmen der Cosmo Bike Mobility Konferenz in Verona, die sich dem Thema "urban cycling" gewidmet hat, einem internationalen Publikum präsentiert. www.schulterblick.at www.facebook.com/SchulterblickDieWienerRadfahrschule https://www.youtube.com/channel/UCpcnOwdmMUj_dAhiA6O9oDQ

Finanzierung

öffentlich finanziertEinnahmen durch Mitgliedsbeiträge, Verkauf von Produkten, Kursen etc.Sponsoring, Spenden, Stiftungensonstige

Bezug zu den Kriterien der Bildung für nachhaltige Entwicklung


Wertorientierung am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung
Im theoretischen Teil der Schulterblick-Radfahrkurse setzen sich die Kinder gezielt mit der Bedeutung des Radfahrens für die persönliche, lokale und globale Lebensqualität auseinander. In den abschließenden Diskussionsrunden wird der Umstieg auf kinder- und klimafreundliche Mobilität in seiner Notwendigkeit, aber auch in seiner Attraktivität umfassend erörtert und dargestellt. Die Folgen unseres jetzigen Handelns werden in den Diskussionen klar angesprochen. Dadurch stellen die Kinder das Mobilitätsverhalten der Erwachsenen, auch das ihrer Eltern, massiv in Frage. Mittels des Modells Klimaschutzwelle wird den Kindern verdeutlicht, welchen Einfluss persönliches Verhalten auf die lokale und globale Aufgabe Klimaschutz hat. In Verbindung mit der Stärkung ihrer Radfahrkompetenz werden die Kinder dazu angeregt, ihre Eltern zum gemeinsamen Radfahren zu motivieren. Die Eltern werden auf den Urkunden, neben praktischen Tipps für das Radfahren mit Kindern im Stadtverkehr, zusätzlich darauf hingewiesen, wie sehr ihre Kinder von einem Umstieg auf das Fahrrad profitieren werden.

Zukunftsorientierung
Beim Umstieg auf das Fahrrad als klimafreundliches Fortbewegungsmittel spielt die Zielgruppe der Kinder und Familien eine entscheidende Rolle. Die heranwachsende Generation soll motiviert und an das Radfahren in der Stadt herangeführt werden, sodass sie in Zukunft bei der Wahl ihres Fortbewegungsmittels noch freier sind. Für die Kinder ist es leicht verständlich, dass es beim Radfahren in der Stadt nicht um einen Verzicht geht, sondern vielmehr um die Erfahrung einer neuen Lebensqualität, welche sich nicht erst nachhaltig erschließt sondern sich sofort einstellen kann. Im Rahmen der Kurse wird den Kindern die Frage gestellt, warum sie glauben, dass in Zukunft mehr Menschen mit dem Rad fahren werden. Durch diese Behauptung entsteht eine Diskussion rund um die Frage, wie wir uns in Zukunft bewegen werden und wollen. Mit den erworbenen fahrtechnischen, kommunikativen und kooperativen Fähigkeiten verfügen die Kinder über die notwendigen Kompetenzen, auch tatsächlich nach den besprochenen Visionen zu handeln.

Globale Perspektive
Ohne einen möglichst raschen Umstieg auf nachhaltige urbane Mobilität und den Beitrag jede/r einzelnen können die angestrebten Klimaschutzziele auf lokaler, nationaler und globaler Ebene nicht erreicht werden. Wichtig ist, sowohl ein Verständnis für das eigene Wohlbefinden und das der eigenen Umgebung/Stadt zu haben als auch ein Gefühl für die globale Perspektive des Klimaschutzes zu entwickeln. Den Kindern wird vermittelt, welche entscheidende Rolle VorreiterInnen auf den verschiedenen Ebenen spielen. SchülerInnen, Klassen, Schulen, Bezirke, Städte und Länder beeinflussen durch ihr Verhalten und ihre Überzeugungskraft auch das Verhalten anderer und ermöglichen so letztlich auch das Erreichen von globalen Zielen.

Methodenvielfalt
Der Kurs teilt sich in einen Theorie- und Praxisteil wobei bei beiden Teilen unterschiedliche Methoden zum Einsatz kommen. Im Praxisteil und der ersten Hälfte der Theorie wird den Kindern eine Verkehrssprache vermittelt, die es ihnen ermöglicht, sich beim Radfahren erfolgreich im Sinne eines Miteinanders zu verständigen. Hervorzuheben ist, dass dieses Wissen nicht nur besprochen und von den Kindern im Zuge unterschiedlicher Aufgabenstellungen erarbeitet wird, sondern diese auch die Möglichkeit erhalten, das Besprochene beim Radfahren im geschützten Rahmen und anschließend im Verkehrsraum anzuwenden. Bei der Gruppenarbeit im Rahmen der zweiten Hälfte der Theorie beschäftigen sich die Kinder mit der Frage, warum immer mehr Menschen in der Stadt das Fahrrad zur Fortbewegung nutzen. Dabei entwickeln die Kinder eigenständig und durch Austausch untereinander ihre Ideen. Das Gestalten eines Plakats erfordert innerhalb der Gruppe eine Verständigung darüber, wer welche Teile übernimmt. Bei der abschließenden Diskussion sind die Kinder gefordert, ihre Ideen zu präsentieren und auf Nachfragen einzugehen. Die kommunikativen und kooperativen Kompetenzen spielen somit durchgehend eine zentrale Rolle. Auch das Wissen und die Anwendung von Verkehrsregeln werden in diesem Sinne als eine wichtige kommunikative Kompetenz verstanden.

Partizipationsorientierung
Durch die erworbenen Fähigkeiten und die persönlichen Erfahrungen, was es bedeutet mit dem Rad im Stadtverkehr unterwegs zu sein, erweitern sich die Handlungsmöglichkeiten der Kinder. Es wird die Basis dafür gelegt, dass die Kinder in Zukunft die Möglichkeit haben, sich aktiv – für ein Verkehrsmittel ihrer Wahl - zu entscheiden und in ihrer Umgebung „unbequeme“ Fragen zu stellen und Wünsche zu äußern. Darüber hinaus bekommen die Kinder und Jugendlichen einen Eindruck, wie sie durch ihr Mittun eine Veränderung – in Hinblick auf den Klimawandel – erreichen können.

Interne offene Lernprozesse
Uns ist es wichtig, dass die ganze Klasse am Kurs teilnehmen kann. Aus diesem Grund bieten wir auch ein spezielles Programm für AnfängerInnen oder Kinder, die noch gar nicht Rad fahren können, an. Der individuelle Lernprozess ist bei jenen Kindern, die das Rad fahren erst lernen oftmals stärker sichtbar und unterscheidet sich von dem der anderen Kinder, die bereits im Stadtverkehr unterwegs waren. Jede/s Kind soll zur kritischen Auseinandersetzung mit den Fragen zur Mobilität der Zukunft angeregt werden.

Letzte Änderung: 18.09.2016
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Wirkungsbereiche


Wien

Laufzeit


04.05.2015 - Projektende offen

Bildunsgbereiche


Vorschule + 1.-4. Schulstufe
5.-13. Schulstufe
Außerschulische Jugendbildung
informeller Bildungsbereich (NGO, Vereine, etc.)

Themenbereiche


Energie
Gesellschaft, Politik
Gesundheit/Ernährung
Gleichstellung von Frau und Mann
Globales Lernen
Klima- und Umweltschutz
Mobilität
Stadt & Land nachhaltig entwickeln

Durchführende Organisation

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