Wasser trinken in Schulen

Logo Wassertrinken an Schulen ist eine effektive Maßnahme der Gesundheitsförderung und vermindert Plastikflaschenmüll. Im Projekt wurden bisher 75 % der Wiener Volkschulen zu "Wasserschulen", an Mittelschulen läuft die Aktion. In Wasserschulen wird im Schulalltag nur Leitungswasser getrunken, PädagogInnen ermuntern, genug zu trinken.

Darstellung

Ausgangspunkt: Schüler/innen trinken zu wenig in der Schule. Eine Erhebung (Verhaltensbeobachtung) bei VolksschülerInnen in Wien Brigittenau zeigte, dass 60 % am Schulvormittag nicht trinken. Ein Flüssigkeitsdefizit führt zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche und behindert das Lernen. SchülerInnen trinken auch zu süß. Fast 40 % des von Kindern und Jugendlichen aufgenommenen Zuckers stammt aus Getränken. In die Volksschule mitgebrachte Getränke sind häufig gesüßt. In Mittelschulen ist ein Getränkeangebot (Automat bzw. Buffet) in der Schule üblich, es ist idR (stark) gesüßt. Der Genuss süßer Getränke kann zu Übergewicht, Adipositas, Karies und anderen Gesundheitsrisiken führen. 4 Argumente für das „Wasser trinken“ in Wiener Schulen: 1. Wasser trinken fördert die Leistungsfähigkeit! - SchülerInnen trinken häufig zu wenig. - Ein Flüssigkeitsdefizit führt zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche und behindert das Lernen. - Wer genug trinkt, kann besser und konzentrierter mitarbeiten. 2. Wasser trinken gilt als Schlüssel zur Vorbeugung von Adipositas und Karies! - Ein Drittel der österreichischen Kinder (8-9 Jahre) sind übergewichtig [COSI, 2017], 55% der Wiener Sechs- bis Siebenjährigen hat Karieserfahrung [Zahnstatuserhebung 2016]. - Wer regelmäßig Süßgetränke konsumiert, hat ein höheres Risiko Übergewicht zu entwickeln. - Getränke sind eine Hauptzuckerquelle bei Kindern und Jugendlichen. Etwa 40 % des freien Zuckers werden über Softdrinks und Säfte aufgenommen. 3. Wasser aus der Leitung spart Plastikmüll. - Junge Menschen sind an eine Welt voller Einweg-Plastik gewöhnt. Getränkeflaschen aus Kunststoff sind allgegenwärtig, auch an Schulen. - Wasserschulen zeigen, dass es auch anders geht. 4. Wien verfügt über besonders gutes, sauberes Leitungswasser. Wasser trinken an Schulen ist eine effektive und nachhaltige Maßnahme der Gesundheitsförderung. Einmal Wasserschule – immer Wasserschule! Ziele des Projekts Mind. 50 % der Wiener Schulen werden zu Wasserschulen. Im Schulalltag wird Leitungswasser getrunken. Wasser ist als Alltagsgetränk präsent (Gesundheitsfördernde Verhältnisse). An Wasserschulen wird durch ergänzende pädagogische Maßnahmen gewährleistet, dass genug getrunken wird. (Prägung von Konsumgewohnheiten). Dies führt langfristig zu einer Verhaltensänderung: Steigerung der Flüssigkeitszufuhr, Reduktion der Zuckeraufnahme durch Getränke, Verminderung des Plastikabfalls Umgesetzte Maßnahmen: - Sensibilisierung der Schul- und Bezirksverwaltungen - Sensibilisierung aller Wiener PflichtschulleiterInnen in sog. LeiterInnentreffen - Schulungen der Lehrer/innenteams an den rd. 160 Schulstandorten (Inhalte: Sensibilisierung, Motivation, Planung der konkreten Umsetzung/Verankerung der „Wasserschule“ im Schulalltag) Ausstattung mit Supportmaterial (Trinkflaschen für SchülerInnen und Lehrkäfte, Plakate, Materialienpaket für Unterricht und Elternarbeit (Download unter http://www.gutessen.at/wasserschule-wien.html). - Begleitende Öffentlichkeitsarbeit, Evaluierung

KooperationspartnerInnen

Gutessen consulting (Projektleitung/-umsetzung) Bildungsdirektion für Wien (Einbettung in Schulbehörde) Wiener Gesundheitsförderung (Förderung) Fonds Gesundes Österreich (Förderung) Wiener Wasser (Finanzpartner, Trinkflaschen)

Schwierigkeiten und Erfolge bei der Umsetzung

Das Interesse der Schulen, Lehrkräfte und Eltern war sehr groß und die Umsetzung wurde durchwegs sehr positiv aufgenommen. Die Aktivierung der Schulen durch die Sensibilisierung der DirektorenInnen auf Bezirksebene, die Motivation des gesamten Lehrerkollegiums im Rahmen von schulinternen Weiterbildungen in den Schulen vor Ort und die Ausstattung mit den Supportmaterialien und den Trinkflaschen haben sich als sehr effiziente Maßnahme zur Erreichung der Projektziele erwiesen. Förderlich für den Projekterfolg war besonders die straffe und effiziente Umsetzung des Projekts, der geringe Aufwand für die Schulen und die für Pädagogen/innen sichtbare große Wirkung. Schulen, die Wasserschule werden, bleiben dies auch über den Projektzeitraum hinaus. Das und die gute Einbettung des Projekts in die Schulbehörde (inkl. weitere Mailings nach Projektende) sowie Öffentlichkeitsarbeit gewährleisten die Nachhaltigkeit des Projekts. Die Initiative der Wiener Schulen wurde im aktuell laufenden Erasmus+ Projekt „Waterschool“ als beste case geführt (siehe auch: www.waterschools.eu und www.facebook.com/Water-School-343368833093873/)

Ergebnisse / Produkte

Das wienweite Projekt erwies sich als außergewöhnlich erfolgreich. Seit Projektbeginn 2016 wurden bereits 75 % der Wiener Volksschulen (mit rd. 50.000 SchülerInnen) zu Wasserschulen und haben damit auch rd. 3.500 Lehrkräfte und rd. 80.000 Eltern erreicht. Es konnten 146 öffentliche Volksschulen zur Teilnahme gewonnen werden. An diesen Schulen wird im Schulalltag nur Leitungswasser getrunken, die Eltern geben keine Getränke von zu Hause mit. PädagogenInnen ermuntern die SchülerInnen dazu, genug zu trinken. Nach dem großen Erfolg in den Volksschulen gibt es nun auch für Mittelschulen die Möglichkeit eine Wasserschule zu werden. Ziel sind hier 50 % Wasserschulen. Bisher sind 20 Mittelschulen im Betreuungsprozess, im Schuljahr 19/20 hoffen wir, weitere 30 Mittelschulen zur Umstellung auf "Wasserschule" zu gewinnen. Die Supportmaterialien sind unter www.gutessen.at/wasserschule-wien.html zu finden.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Erfahrungen und Materialien können von Interessierten auf folgenden Homepages eingesehen werden: http://www.gutessen.at/wasserschule-wien.html https://www.wien.gv.at/wienwasser/bildung/wassertrinken/

Finanzierung

öffentlich finanziert

Bezug zu den Kriterien der Bildung für nachhaltige Entwicklung


Wertorientierung am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung
Das Projekt verfolgt das Ziel, den Konsum von Leitungswasser (wieder) zur Normalität werden zu lassen. Vorrangig als Gesundheitsförderungsmaßnahme angelegt, wurde im Projekt auch Bewusstsein für Erhalt der Wasserqualität und Abfallreduktion gebildet. Eine durchschnittliche Schule in Wien produziert pro Jahr (entspr. dem Trinkverhalten) einen Müll von 20.000 Plastikflaschen. Diese fallen in Wasserschulen weg. Allerdings, die Verfügbarkeit von Trinkwasser allein reicht nicht aus. Viele SchülerInnen vergessen zu trinken, wenn sie nicht aktiv erinnert werden. Wasserschulen unterstützen das Trinkverhalten indem sie: - Trinkrituale einführen. - durch Nudgingmaßnahmen zum Trinken verleiten - die Eltern informieren und miteinbeziehen - im Unterricht das Thema behandeln Tägliche Routine ist wichtig, um das Trinkverhalten nachhaltig zu verbessern.

Zukunftsorientierung
Plastikflaschen sind an Schulen allgegenwärtig. Unhinterfragt, werden sie im Massen im Geschäft, Automaten oder Buffet gekauft und nach der Verwendung im Müll entsorgt. Über 5000 Tonnen Erdöl ist allein für die Plastik-Mineralwasserflaschenproduktion in Wien notwendig, dazu kommen noch Softdrinks und andere Getränke. Das Thema Plastikmüll ist zunehmend im Gespräch (EU plastic strategy), doch was tun? Weniger Wattestäbchen verwenden? Mit dem Projekt entscheiden sich Schulen gegen Plastikmüll, SchülernInnen und Lehrpersonen entwickeln gemeinsam eine Handlungsoption, die sichtbare Veränderungen bringt und an jeder Schule einfach und nachhaltig umsetzbar ist. Durch die Einbettung in eine wienweite Aktion, bekommt das persönliche Tun mehr Gewicht.

Globale Perspektive
Angesichts der Zahl der Einwohner, die in Städten bis 2030 auf 5 Milliarden Menschen anwachsen, ist es wichtig, dass effiziente Stadtplanungs- und -verwaltungspraktiken vorhanden sind, um die mit der Urbanisierung verbundenen Herausforderungen zu bewältigen. Die Trinkwasserqualität und die Reduzierung von Abfällen sind wichtige Themen, die durch das Wasserschul-Projekt in Wien mit SchülernInnen fokussiert werden. Vergleiche mit der Situation in Städten anderer Weltregionen werden angeregt. Wie sieht die Trinkwasserversorgung/-qualität aus, wie ist das Trinkverhalten, wie der Stellenwert von "bottled water" in den einzelnen Regionen und warum? Über das Erasmus+ Projekt "Waterschools" (www.waterschools.eu) gibt es links zu Schulprojekten in europäischen Ländern wie Bulgarien, Italien, UK, Slowenien, Tschechien und Deutschland.

Partizipationsorientierung
Die Schwerpunktzielgruppe PädagogenInnen haben in schulinternen Fortbildungen die Möglichkeit Meinungen, Fragen, Erfahrungen einzubringen. Häufig wiederkehrende Fragen werden in die FAQs aufgenommen, Umsetzungsideen für die Arbeit mit den SchülernInnen in den Ideenpool für den Unterricht und allen Schulen zur Verfügung gestellt. Die konkrete Umsetzung des Projekts an den einzelnen Schulen (Zeitplan, geplante Maßnahmen zur Arbeit mit Eltern/SchülerInnen) planen und beschließen die AkteureInnen der jeweiligen Schule. Die SchülerInnen werden angeleitet, ihr Trinkverhalten zu reflektieren, Einflüsse zu erforschen und Ideen zu entwickeln wie das Trinkverhalten individuell und bei der Kohorte in der Schule verändert/verbessert und abfallärmer gestaltet werden kann. Werbungen, Beschreibungen und Labeling beeinflussen Kaufentscheidungen. Wie können bestehende Assoziationen - beispielsweise Pause und Konsum von Süßgetränken - entkoppeln und durch neue ersetzen? Die Umsetzung der von den SchülerInnen entwickelten Interventionsideen (die das individuelle Verhalten der Jugendlichen verändern) wird gemeinsam im Detail geplant (Maßnahmen-, Ressourcen und Zeitplan) und von der Schulgemeinschaft diskutiert, beschlossen und umgesetzt.

Lebenswirklichkeit der Lernenden
Gesellschaftliche Verhaltensmuster, Marketing und natürlich Vorbilder beeinflussen das Konsumverhalten von Kindern/Jugendlichen. Als ein Haupteinflussfaktor gilt allerdings die Verfügbarkeit. Was im Alltag (etwa in der Schule, im Automaten, am Buffet) ständig vor Augen ist, erscheint positiver, ansprechender und wird auch lieber und öfter konsumiert (mere exposure effect). Das Trinken aus Kunststoffflaschen ist für diese Altersgruppe eine Selbstverständlichkeit. Im Projekt beschäftigen sich die SchülerInnen mit dem Trinkverhalten an ihrer Schule und mit Einflussmöglichkeiten etwa durch Nudging. Wie kann man zucker- und plastikfreies Trinkverhalten bei den MitschülernInnen „anstupsen“? Wie kann unsere Schule durch Nudging zu einer Wasserschule werden? SchülerInnen kennen ihre KollegenInnen ja am besten. Die SchülerInnen lernen Nudging-Techniken kennen, die sich an state-of-the-art-Interventionen aus dem Bereich Public Health orientieren (z.B. Veränderungen des Umfelds, Auswahlarchitektur, Kommunikation am Infoboard oder über Poster/Post its etc.), und entwickeln und erproben Möglichkeiten, um am Schulstandort das Trinkverhalten durch geeignete Nudging-Maßnahmen zu verbessern (Interventionen die auf Verhältnisse/Abläufe im Schulalltag/an den Aufenthaltsorten der Kinder/Jugendlichen abzielen) können. Die Umsetzung der entwickelten Interventionsideen ist Teil des Projekts am Schulstandort.

Partnerschaften und Netzwerke
Das Projekt ist so konzipiert, dass nur ganze Schulen teilnehmen können. Das bedeutet im Vorfeld eine Einigung des gesamten Lehrkörpers zur Teilnahme und Umsetzung. Teamfähigkeit und Gemeinsinnorienteierung sind daher im ersten Schritt bei Lehrkräften und Schulleitung gefragt. Dafür werden an jedem interessierten Schulstandort Informationsworkshops für den gesamten Lehrkörper durchgeführt, bei dem der Beschluss zur Teilnahme und gemeinsam ein erster Fahrplan der Umsetzung moderiert wird. Eine neue Situation an vielen Schulen, da tatsächlich alle Lehrkräfte und alle Klassen mit im Boot sein müssen. Die Auseinandersetzung mit der Umsetzung und vor allem nachhaltigen Verankerung der Wasserschule am Standort wird gemeinsam geplant und umgesetzt. Der für alle ersichtliche Sinn der Maßnahme, die Möglichkeit das Thema in allen Fächern, bei allen Gelegenheiten miteinzubeziehen und die relativ einfache Umsetzung ermöglicht es, alle zur Teilnahme zu motivieren und zur Weiterentwicklung zu gewinnen. Reflexionsrunden der LeiterInnen auf Schulbezirksebene (in Kooperation mit der Bildungsdirektion) ermöglichen den Erfahrungsaustausch zwischen den Schulen und einzeln auch Kooperationsprojekte zum Thema (Wasserfeste/Wettbewerb) und bringen neue Ideen für die eigene Schule.

Weiterführende Dokumente


Schritt für Schritt zur Wasserschule
Letzte Änderung: 05.08.2019
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Ausgezeichnet mit:
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Wirkungsbereiche


Wien

Laufzeit


01.02.2016 - 30.06.2020

Bildunsgbereiche


Vorschule + 1.-4. Schulstufe
5.-13. Schulstufe

Themenbereiche


Gesundheit/Ernährung
Klima- und Umweltschutz
Konsum
Wasser

Durchführende Organisation

Kaiblinger & Zehetgruber OG - gutessen consulting

Schönbrunnerstr. 59-61/Top 13

1050 Wien

01/545 05 13, mobil: 0664/150 rosemarie.zehetgruber@gutessen.at
http://www.gutessen.at
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